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06.09.2016

Gute Aussichten: Informatiker, eine Berufsgruppe im Wandel - Bildungsseite im Kölner Stadtanzeiger vom 03.09.2016

Kaum ein anderes Berufsbild ist so vielseitig und am Arbeitsmarkt so stark nachgefragt wie das des Informatikers. SUSAN HORSTMANN UND MICHAELA HERMES beschreiben den Wandel dieser Berufsgruppe.

Nach aktuellen Schätzungen fehlen in Deutschland derzeit 43 000 IT-Experten – und das wird laut Bitkom, dem Bundesverband der digitalen Industrie, in den nächsten Jahren auch so bleiben.

Das Image des Informatikers als „Nerd“ – einem lichtscheuen einsamen Computerfreak mit gering ausgeprägter Sozialkompetenz – bestimmte lange Zeit die öffentliche Wahrnehmung. Dieses Bild ist aber längst überholt, denn Informatiker sind heute viel stärker in Prozesse und Zusammenhänge eingebettet. Doch die Welt der Informatiker ist nicht
nur sozialer, sondern auch weiblicher geworden, denn der Anteil an Frauen in den Informatikberufen steigt.

Interessante Bereiche
Die Informatik hat sich mittlerweile in viele Unterdisziplinen aufgespalten. Dabei entstanden so interessante Bereiche wie Wirtschaftsinformatik, Computerlinguistik und Medieninformatik. Aber auch die Games-Branche sucht händeringend nach qualifizierten Informatikern für die Spieleentwicklung. Berufsabschlüsse können durch Ausbildungen im Dualen System oder an Berufskollegs, ein Studium oder Umschulungen erworben werden. Dem fertigen Informatiker stehen zahlreiche Aufstiegsfortbildungen und Herstellerzertifizierungen zur Verfügung und runden somit sein Qualifikationsprofil ab. Eine duale Ausbildung zum Fachinformatiker eröffnet vielfältige Perspektiven; dabei schaffen Spezialisierungen wie Systemintegration und Anwendungsentwicklung eine gezielte Eingrenzung auf einen bestimmten Bereich.

Die Ausbildung zum Informatikkaufmann bedient eine Schnittstelle zur Informatik. Informatikkaufleute beschaffen und verwalten informationstechnische Systeme, planen sie und stellen die Wirtschaftlichkeit der Systeme und der Umsetzung
sicher. Diese Berufsabschlüsse können sowohl als duale Ausbildung als auch als Umschulung erreicht werden.

Berufskollegs bieten Informatikausbildungen mit einem besonderen Add-on an. So erwerben Bewerber mit einem mittleren Bildungsabschluss neben dem Berufsabschluss auch das Fachabitur und Bewerber mit einem höheren Schulabschluss können ihre Ausbildung mit einem Bachelorabschluss kombinieren.

Aufstiegsfortbildungen
Nach einer Informatikausbildung und einschlägiger Berufserfahrung können Aufstiegsfortbildungen in unterschiedlichen Bereichen (zum Beispiel Beratung, Projektmanagement, Softwareentwicklung etc.) absolviert werden. Sie bilden das Fundament für den weiteren Aufstieg auf der Karriereleiter. Darüber hinaus gibt es herstellerspezifische Zertifikate, die sich zum Beispiel auf Betriebssysteme, Netzwerktechnologien oder Anwendungssoftware beziehen.

Aber auch duale Studiengänge, die eine Ausbildung und ein Studium kombinieren, erfreuen sich großer Beliebtheit. Sie zeichnen sich in der Regel durch eine hohe Praxisrelevanz aus. Als Studienabschlüsse sind Bachelor und Master möglich. Zwischen 2008 und 2014 hat sich die Anzahl der Studienanfänger im Bereich Informatik fast verdoppelt. Der Frauenanteil im Studienbereich Informatik ist in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen. Im Jahr 2014 waren 16,8 Prozent der Absolventen von Informatikstudiengängen Frauen. Im Bereich der Ausbildungen stagniert die Absolventinnen Quote bei ca. sieben bis acht Prozent. Die Anzahl weiblicher Vorbilder in der Branche steigt. Yahoo-Chefin Marissa Mayer hat es nach ihrem Informatikstudium bis an die Spitze eines Weltkonzerns der Informationstechnologie geschafft.

Wer sich für eine Karriere im Bereich der Informatik entscheidet, auf den wartet ein dynamisches und spannendes Aufgabenfeld. Die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt sind blendend.

Viele Absolventen machen erste Berufserfahrungen in Start-ups. Rund drei Viertel von ihnen (72 Prozent) geben an, dass sie im Verlauf dieses Jahres Neueinstellungen planen. Während bei den Start-ups mit ein bis drei Mitarbeitern jedes dritte (37 Prozent) mit Neueinstellungen rechnet, sind es bei den Start-ups mit zehn bis 19 Mitarbeitern 77 Prozent und bei denen mit 20 oder mehr Mitarbeitern 89 Prozent.