Zoom-Fatigue beschreibt die Müdigkeit, beziehungsweise die Zustände von Erschöpfung, die beim häufigen und eng getakteten online-konferieren auftauchen. Der Begriff setzt sich zusammen aus dem Tool „Zoom“ und „fatigue“, dem französischen Wort für Müdigkeit und Erschöpfung.


So wie „googeln“ zum Verb für die Recherche im Internet geworden ist, ist „zoomen“ das neue Verb für den sperrigen Ausdruck „an einer Videokonferenz“ teilnehmen – unabhängig davon, ob nun Zoom, Teams, Skype oder Jitsi verwendet wird. Dank der Corona-Pandemie hat Zoom einen wahren Boom erlebt. Doch wie alle anderen technischen Neuerungen hat auch das Zoomen seine Tücken.
Um dies zu untersuchen, hat das „Institut für Beschäftigte und Employability IBE“ im September 2020 angestellte Personen zu ihren Erfahrungen mit virtuellen Meetings befragt. Die Fragestellungen kreisten um das Phänomen der Zoom-Fatigue.
Von den 422 befragten Personen nahmen 251, also fast 60 % der Befragten Zoom-Fatigue bei sich wahr. Von diesen 251 Personen gaben 160 Personen an, die Belastung als stark oder sehr stark wahrzunehmen.
Die am häufigsten genannten Symptome, die nach einem halben Jahr Kontaktbeschränkung und daraus resultierend vermehrter Nutzung der Videokonferenz-Tools auftraten, waren psychischer Natur. Am häufigsten wurden
• eine Verminderung der Konzentrationsfähigkeit
• Ungeduld, Reizbarkeit
• und Unausgeglichenheit genannt.

Eine untergeordnete Rolle spielten körperliche Symptome wie Kopf,- Rücken,- Glieder- und Magenschmerzen sowie Schlafstörungen.

Als Gründe für die Belastungen nannten die Befragten
• das Fehlen von Pausen, Smalltalk und nonverbaler Kommunikation
• Probleme mit Ton- und Bildqualität, Latenzen und schlechten Internetverbindungen
• Probleme auf organisatorischer Ebene.

Basierend auf ihren Umfrageergebnissen empfehlen die Autoren*innen folgende Maßnahmen:
• Pausen in und zwischen den Meetings
• Begrenzung der Meeting-Zeiten inkl. Zeitslots für die verschiedenen Themen
• Eine (möglichst humorvolle) Moderation der Meetings.


Zu Ergebnissen mit etwas anderer Gewichtung führte eine von Professor Jeremy Bailenson vom Stanford Virtual Human Interaction Lab (VHIL) durchgeführte Untersuchung. Er führte erhöhten Stress bei zeitintensiver Nutzung von Videokonferenz-Tools auf
• den intensiven Augen-Kontakt in unnatürlicher räumlicher Nähe
• das permanente Sehen des eigenen Kamerabildes und auf
• den erheblich eingeschränkten Bewegungsradius zurück.

Die Lösungsvorschläge sind dementsprechend eher technisch orientiert:
• mehr Abstand zum Bildschirm
• Raum- und Kameralösungen, die mehr Bewegungsfreiheit ermöglichen
• Ein Button, mit dem das Kamerabild vom eigenen Gesicht ausgeblendet werden kann.


Fazit: Virtuelle Meetings sind während der Pandemie eine sinnvolle Alternative und werden wohl auch nach der Pandemie etliche Meetings, Schulungen und Versammlungen ersetzen. Allerdings birgt ein Übermaß gewisse Risiken für die psychische und die physische Gesundheit, denen Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit Vorsicht begegnen und mit einer bedarfsorientierten Mischung aus o. g. Maßnahmen gegensteuern sollten. Nicht zuletzt kann umsichtiges Handeln erhöhten Krankenständen und verminderter Leistungsfähigkeit entgegenwirken.

Quellen:
https://www.ibe-ludwigshafen.de/wp-content/uploads/2020/09/IBE-Studie-Zoom-Fatigue.pdf, geöffnet am 22.06.2021
https://news.stanford.edu/2021/02/23/four-causes-zoom-fatigue-solutions/, geöffnet am 22.06.2021
Bildnachweis: Menschen Vektor erstellt von pikisuperstar – de.freepik.com

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